09. Blogpost - Einbruch und Umzug


Livingstone, der 09.04.2019

 

Wie in der Vergangenheit schon häufiger, fange ich mal mit dem Smalltalkthema Nummer eins an: Das Wetter. Eigentlich sollte hier schon seit Dezember die Regenzeit herrschen, aber das tut sie nicht. Es hat sich zwar Anfang Januar so angedeutet, aber nur für eine ganz kurze Zeit und ohne ausgiebige Regenfälle. Mittlerweile fühlen wir uns schon seit zwei Monaten in die heiße Trockenzeit zurückversetzt, in der es jeden Tag bis zu 37 °C werden und an Regen gar nicht zu denken ist. Laut den Locals wird der Regen wohl auch nicht mehr kommen. Das war früher anders. Alles was uns bleibt, ist auf den „Winter“ zu warten, der ab April/ Mai anfangen soll. Für viele Menschen hier ist der Ausfall der Regenzeit eine Katastrophe, da das selbst angepflanzte Gemüse und der Mais im Garten nur schlecht wächst und somit ihre Lebensmittelversorgung gefährdet ist. Auch die großen Farmer machen sich Sorgen um Ernteausfälle.

Da der Stausee so wenig Wasser hat, wird der Strom rationiert und täglich mal für eine Stunde abgeschaltet. 

 

Weniger Regen hat für uns nur den Vorteil, dass wir weiterhin ohne Probleme mit dem Fahrrad mobil bleiben können. Meiner groben Berechnung nach sollte ich mittlerweile bei ca. 2000 Fahrradkilometern angekommen sein.

 

Nun aber zum eigentlichen Thema, nämlich dem Wandel unserer Lebenssituation. Vor vier Wochen kamen Paula und Luise mittags nach Hause und fanden die Haustür aufgebrochen, alle Zimmer durchwühlt und das Haus um drei Laptops, drei Musikboxen, Powerbanks, Festplatten und Toms Koffer ärmer vor. Der Schock war bei den Beiden erstmal groß. Die Polizei konnte auch nicht wirklich helfen, da der diensthabende Kommissar in Badelatschen und Jogginghose nicht wirklich motiviert war. Außer die gestohlenen Gegenstände und persönlichen Daten aufzuschreiben, passierte nichts. Nach unserer eigenen Detektivrecherche kamen die Einbrecher wohl über die Mauer vom Nachbargrundstück geklettert, welches leer steht und eher einem Urwald gleicht. Da auch schon zwei Wochen davor Luises Fahrrad von unserer Terrasse geklaut worden ist, als sie und Tom kurz zum Markt in der Nähe gehen wollten, fühlten wir uns nicht mehr richtig sicher in dem Haus. Auch Nina, unsere Projektkoordinatorin, vertrat die Meinung, dass wir umziehen müssten. Gesagt, getan: Drei Tage später hatten wir uns schon fünf mögliche Häuser angeguckt und wir waren uns relativ schnell einig, welches wir nehmen. Eine Woche später waren wir zum Umzug bereit - sehr viel mitzunehmen hatten wir ja nicht, denn viele Möbel gibt es in unserem Haus nicht. Jeder hat ein Bett, seinen Koffer und teilweise haben wir auch die aus Kartons selbstgebastelten Nachttische mitgenommen. Die Küche im neuen Haus war schon eingerichtet, sodass nur das Sofa und der Esstisch aus dem Wohnzimmer blieb. Ruckzuck war das alte Haus leer und genauso schnell das neue auch wieder eingeräumt. Innerhalb von vier Stunden sind wir mit dem gesamten Hausstand umgezogen. Das neue Haus ist Teil eines Vierhäuserkomplexes, der ordentlich eingezäunt ist und 24/7 von einem Sicherheitsguard bewacht wird, ist somit also sehr viel sicherer als unser altes Haus. Dafür ist es kleiner, sodass sich Paula und Luise ein Zimmer teilen. Einen Garten haben wir leider auch nicht mehr. Aber Sicherheit spielt in manchen Entscheidungen eben die größere Rolle. Außerdem ist das Haus deutlich wohnlicher eingerichtet und nicht mehr so groß und leer, da alles kompakter ist.

 

Februar und März waren gefüllt mit schulischen Events am Wochenende, was uns eigentlich dauerhaft auf Trab gehalten hat. Und wenn mal keine Schule war, dann verbringen wir unsere Freizeit beim Rugby. Durch die Young Leaders der Rhinos wurde Rugby an drei Schulen/Colleges in Livingstone erfolgreich eingeführt und alle zwei Wochen an einem Samstag findet nun ein Spiel gegen die Rhinos statt. Diese „Rugby League“ ist vor allem auch für Tom und mich eine gute Art und Weise, Spielpraxis zu sammeln und macht allen Beteiligten super Spaß.

 

Ende März fand das erste von uns sechs ASC-Freiwilligen organisierte Turnier statt. Es ging um Leichtathletik (Disziplinen sind Sprint, Werfen, Weitsprung und eine 4x200m Staffel) und war ähnlich wie die deutschen Bundesjugendspiele aufgebaut. So konnte jeder, der für das Schulteam ausgewählt wurde, auch an allen Disziplinen teilnehmen. Hier bei den lokalen Events ist es normalerweise so, dass die Schüler nur für einzelne Läufe oder Disziplinen eingetragen werden. Am Ende des Tages nach acht Stunden Sonne haben die Schüler dann letztendlich nur einen 100m Sprint absolviert und viel Zeit einfach nur mit Rumhängen verbracht. Die Deutsche Variante bedeutete allerdings auch sehr viel mehr Arbeit, da viele Punktetabellen ausgewertet werden mussten! Hat sich aber gelohnt, wir konnten im Nachhinein viele interessante Vergleiche anstellen, z.B. zwischen den Altersgruppen oder den Schulen.
Insgesamt war das Turnier ein voller Erfolg und macht uns Lust auf mehr.

 

Letzten Freitag haben die Osterferien an der Acacia School angefangen und diesen Freitag fangen auch die der Nekacheya School an. Diese Arbeitserleichterung hat Paula und mich dazu veranlasst, ein Ferienschwimmprogramm anzubieten. In fünf Tagen mit jeweils fünf Unterrichtsstunden ist unser Ziel, möglichst vielen Kindern aus Livingstone das Schwimmen beizubringen. Das klingt einfacher als es ist, weil - obwohl wir die Kinder in Altersgruppen eingeteilt haben - die Level und Fähigkeiten der Kinder so unterschiedlich sind, dass es schon eine Herausforderung ist, auf jeden einzeln einzugehen. Aber dieser Challenge werden wir uns in dieser Woche stellen.

 

Nächste Woche Mittwoch treten wir unseren zweiten Urlaub an, der uns in das Dreiländereck Ruanda, Tansania und Uganda führt. Innerhalb von wenigen Stunden Busfahrt sind dort nämlich alle anderen Freiwilligen des ASC zu erreichen, deren Projekte und Umfelder wir uns gerne angucken möchten. Zu diesem Urlaub wird dann nach unserer Rückkehr ein ausführlicher Bericht folgen!

 

So viel, wie wir hier erleben, arbeiten und Spaß haben, vergeht die Zeit wie im Fluge. Mittlerweile sind wir schon ein wenig über sieben Monate hier in Livingstone, was auf der anderen Seite auch bedeutet, dass wir nur noch fünf Monate übrighaben und die auch mit Fußball-, Netball- und Rugbyturnieren und weiteren Events voll ausnutzen wollen.

 

Euch allen wünsche ich Frohe Ostern!
Nach jetzigem Plan werden wir Ostern in Uganda verbringen, in
einem kleinen Dorf in der Nähe Kampalas.

 

08. Blogpost - Urlaub auf Zanzibar


Livingstone, der 05.02.2019

 

Bevor ich anfange von meinen Erlebnissen der letzten beiden Monat zu berichten, möchte ich Euch allen ein frohes, neues Jahr wünschen und mich entschuldigen, dass ich euch so lange auf einen neuen Eintrag habe warten lassen. Ich hoffe, ihr hattet alle einen guten Jahreswechsel und könnt nun mit viel Energie in das neue Jahr starten. Mein Sprung in das Jahr 2019 war definitiv sehr gelungen, aber dazu weiter unten mehr.

Fangen wir also am Anfang an. Der letzte Schultag vor den Weihnachtsferien war ein großes Durcheinander - nicht aus organisatorischen Gründen, sondern weil alle Schüler mit Kartons, Plakaten, Tischen und Stühlen durch die Schule wuselten: Aufräumen war angesagt. Jeder Klassenraum wurde nämlich komplett kahl geräumt. Das bedeutet, alle Poster, Bilder, Buchstaben- und Rechentabellen und andere Kunstwerke wurden von den Wänden genommen und zusammen mit Büchern und Stiften in großen Kartons verpackt, die über die Ferien alle zusammen in einem Raum gelagert wurden, da in den anderen an der Dämmung des Dachs gearbeitet wurde. Auch für uns in der Sportabteilung bedeutete das Arbeit. Der Sportraum wurde ausgeräumt, durchgefegt, das Equipment auf Vollständigkeit geprüft und anschließend wieder ordentlich eingeräumt. Schon am Tag davor wurde in einer kleinen Feierlichkeit der Angestellten sowohl die Schulleiterin als auch die Lehrerin der ersten Klasse verabschiedet, die beide aus verschiedenen Gründen die Schule verlassen haben.

 

Nach wirklich sehr intensiven drei Monaten hatten wir uns vorgenommen, uns in den Weihnachtsferien erstmal ein paar Tage Ruhe zu gönnen. Aber wie man es sich schon hätte denken können, hat das nicht geklappt. Relativ spontan haben Tom und ich kurzerhand das Rugby-Team innerhalb einer Woche Training in eine Fußballmannschaft umgewandelt, um an einem uns als kleines 'Christmas Tournament' vorgestelltes Turnier teilzunehmen. Tatsächlich war es dann ein siebentägiges Fußballturnier, an dem in unserer Altersklasse Topteams aus Sambias 2. und 3. Liga teilgenommen haben! Dementsprechend hatten wir mit unserem Amateur-Rugby-Team keine Chance. Dafür haben wir durch dieses Turnier die 'African Time' sehr gut kennengelernt, da wir mehrere Male bis zu drei Stunden vergeblich am Treffpunkt warten durften, um dann letztendlich doch keine neuen Informationen zu bekommen. Auch haben wir gelernt, dass der afrikanische Fußball ohne System und nur mit langen Bällen Richtung gegnerisches Tor doch stärker ist, als er auf den ersten Blick aussieht. Vor allem Tom hat das sehr zu schaffen gemacht. Er hatte eigentlich den Plan ein Team aufzubauen, das mit einem vernünftigen System eine sehr gute Chance hat. Fazit der Geschichte ist allerdings, dass ein Rugby-Team nach einer Woche Fußballtraining noch immer ein Rugby-Team ist. Entsprechend schlecht haben wir auch in dem Turnier abgeschlossen... Mittlerweile haben Tom und ich diese Niederlage aber verkraftet und daraus gelernt, was wir in der Zukunft besser machen können.

 

Am Tag vor unserer Abreise Richtung Norden in den Urlaub nach Zanzibar gab es noch eine Weihnachtsfeier für die Kinder des Rhino-Rugby-Clubs. Es gab Essen und Trinken für jeden, was die Kinder, die zum größten Teil aus sehr ärmlichen Verhältnissen stammen, sehr glücklich gestimmt hat. Und dann wurde die Musik aufgedreht und los ging das Tanzen. Schon die kleinsten haben tänzerisch wesentlich mehr drauf, als ich es jemals haben werde, weshalb ich mich beim Tanzen immer eher ein bisschen zurückhalte. Alle Kinder hatten einen großen Spaß und sind müde aber glücklich nach Hause.

 

Und dann ging es los zu unserer ersten großen Reise. Früh morgens haben wir den ersten Bus nach Lusaka genommen – das war ja nichts Neues für uns. Nachdem wir den Weihnachtsabend zusammen mit den 'Brot für die Welt'-Freiwilligen verbracht haben - aufgrund der Hitze eigentlich komplett ohne Weihnachtsstimmung - kam der zweite Teil der Reise. In Kapiri Mposhi (3 Std. nördlich von Lusaka) sind wir in den 'Tazara' gestiegen. Das ist ein Zug, der von Sambia direkt nach Daressalam fährt. Geplante Reisezeit waren 48 Stunden, die auf der Hinfahrt mit 52 Stunden sogar fast eingehalten wurde. Wir hatten reservierte Plätze in der zweiten Klasse. Zweite Klasse bedeutet, dass man einen kleinen Raum mit sechs ausklappbaren Betten hat, die zwar nicht sehr gemütlich sind, aber doch ihren Zweck gut erfüllen. Auch leckeres Essen gab es an Bord: Nshima oder Reis mit Chicken, Breemfish (Brasse) oder Beef stew und zum Frühstück sogar Omelett. Klingt einfach, aber war echt sehr gut und meistens waren die drei Malzeiten am Tag die einzigen Programmpunkte neben Kartenspielen, lesen und natürlich aus dem Fenster schauen. Die Landschaft ändert sich gefühlt minütlich von trockener Steppe in Sambia, Landwirtschaft, Bananenplantagen und Regenwald in Tansania. Als wir durch den 'Mikumi National Park' fuhren, konnten wir sogar Giraffen, Impalas und Büffel erspähen. Am Abend sind wir dann in der Dunkelheit in der größten Stadt Tansanias angekommen, Daressalam. Direkt am nächsten Morgen ging es mit der Fähre anch Zanzibar, die Insel der Gewürze. Die ersten Tage verbrachten wir in Stone Town – der Altstadt von Zanzibar-Stadt und UNESCO-Welt-Kulturerbe. Wir übernachteten in einem wunderschönen Guesthouse, dass eher einem Kunstwerk, als einem Hotel glich: Die Duschen und Lampen waren aus Flaschen, Waschbecken aus alten Autoreifen und Stühle aus Schaufeln. Auch die Dachterrasse war durch viele Pflanzen und kreative und bunte Lichtinstalationen sehr schön gestaltet und unser Lieblingsort im ganzen Haus. Neben Bootstouren nach Prison Island, auf der man Riesenlandschildkröten bewundern konnte, und auf eine ausgelagerte Sandbank mit Traumstrand, haben wir auch die Stadt erkundet und einige Zeit am Strand verbracht.

Auch ein Highlight des gesamten Urlaubs war das Wiedersehen mit (fast) der gesamten RUTS-Truppe (Freiwillige aus Ruanda, Uganda, Tansania und Sambia) des ASC. Jeder hatte sehr viel zu erzählen und es war echt spannend zu hören, wie es komplett unterschiedlich, aber doch auch irgendwie gleich, es bei den anderen abläuft.

Zu Silvester sind wir alle zusammen auf die größte Silvesterparty der ganzen Insel. Direkt auf dem Strand, mit Tanzshows auf der Bühne und viel Musik. Das Feuerwerk fiel allerdings leider sehr klein aus. Am nächsten Tag war Quartierwechsel angesagt, es ging in den Norden Zanzibars, wo es reichlich Traumstrände gibt. Sie sind allerdings leider nur sehr schwierig zu erreichen oder sehr voll. Aber trotzdem war es echt schön und das Wetter hat auch gestimmt. Da Zanzibar in den Tropen liegt, herrscht Tagesklima. Entsprechend hat es fast jeden Morgen einmal kurz geregnet und den Rest des Tages war Sonnenschein angesagt. Auch im Norden waren wir zusammen mit der RUTS-Gruppe und hatten sehr viel Spaß dabei unsere jugendlichen Dummheiten am Strand zu treiben. Direkt vor Zanzibar liegt 'Mnemba Island', die angeblich Bill Gates gehören soll und von einem Korallenriff umgeben ist, zu dem Schnorcheltouren angeboten werden. Das haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Ein sehr zu empfehlender Tagesausflug, auf dem man sehr gut die Unterwasserwelt näher kennenlernen kann.

Nach elf erlebnisreichen Tagen auf der Insel sind wir wieder abgereist und wieder mit dem 'Tazara'-Zug nach Sambia gefahren. Da wir auf der Rückfahrt keinen Zwischenstopp in Lusaka eingeplant hatten und der Zug ein 'wenig' Verspätung hatte (15 Stunden), waren wir letztendlich vier komplette Tage unterwegs gewesen und kamen spät abends totmüde, aber beeindruckt von den vielen Erlebissen, wieder zu Hause an.

 

Inzwischen hat sich in Livingstone sehr viel geändert: Durch den vielen Regen ist unser Garten sehr grün geworden, die Straßen sind voller Sand und mit dem Fahrrad kann man sich tagsüber nicht mehr uneingeschränkt bewegen. Aber wirklich kälter ist es trotzdem nicht. Diese Woche sind über 36° C angesagt.

 

In den ersten Schulwochen ist schon wieder sehr viel passiert. Mr. Lovemore, der Sportcoach der Acacia School, verlässt Anfang Februar die Schule und auch das Land, da er von dem ASC Göttingen für das Süd-Nord-Programm angenommen wurde. Er wird ungefähr das Gleiche in Deutschland machen, was wir hier machen. Auch wenn alle sich darüber freuen, dass er eine solche Chance bekommt, er wird der Schule aber auch dem Rugby Club fehlen. Seine Träume aber werden verwirklicht, da er in Deutschland wohl in einer Rugby-Bundesligamannschaft spielen kann und als Freiwilliger in dem Verein kleinen Kindern den Sport näher bringen darf. Die letzten Wochen bis er uns verlässt sind schon vollgepackt mit Events. Direkt in der zweiten Schulwoche gab es einen 'Interhouse Crosscountry Run', in dem die zwei 'Häuser' der Schule gegeneinander angetreten sind. Unsere Aufgabe war es, dieses Event zu organisieren. Das heißt: Strecken mit unterschiedlichen Längen für die verschiedenen Altersgruppen ausfindig machen, die Strecken markieren, Tabellen für die Ergebnisse erstellen, Schüler den Altersgruppen und Häusern zuordnen… und alles mit der Schulleitung absprechen. Bei der Organisation hat uns auch der neue Sportcoach Mr. Brendan sehr gut geholfen. Er war eigentlich Lehrer der dritten Klasse und ist die letzten Wochen mit uns im Sportteam, um möglichst viel von Lovemore und auch uns zu lernen. Ich komme sehr gut mit ihm zurecht und freue mich auf die Zusammenarbeit.

Am 2. Februar waren wir zu einem Crosscountry-Lauf der 'Musikili' Schule in Mazabuka eingeladen. Insgesamt hat unser Team zufriedenstellend abgeschnitten und spätestens nachdem ich selber spontan an dem U19 3km Lauf teilgenommen habe, waren alle aus dem Team völlig aus dem Häuschen und haben mich lautstark unterstützt und sind anschließend glücklich wieder nach Hause gefahren.

Am nächsten Wochenende sind wir wieder mit der Schule unterwegs: Das Cricket Team fährt nach Vic Falls in Simbabwe, um dort an einem Turnier teilzunehmen. Außerdem ist für Mitte Februar ein Schwimmwettkampf bei uns an der Schule geplant, zu dem die 'Musikili'-Schule eingeladen wird.

 

An der 'Nekacheya School' hat sich nicht so viel geändert, außer dass alle eine Klasse höher und dementsprechend stolz sind. Auch an dieser Schule werden wir in diesem Term versuchen, uns auf Athletics zu konzentrieren, um an Turnieren mit anderen Schulen teilnehmen zu können.

 

07. Blogpost - Rugby, Rugby und nochmal Rugby


 Livingstone, der 03.12.2018

 

Nach einer ziemlich langen Zeit melde ich mich mal wieder aus Livingstone und es gibt sehr viel zu berichten! Ein Thema, mit dem man hier eigentlich jeden Smalltalk anfängt ist, das Wetter. Darum mache ich das einfach auch mal: In den ersten Novemberwochen wurde es unglaublich heiß (laut Wetterbericht bis zu 42 °C und gefühlt in der Sonne um einiges höher) und trocken. Diese Hitze legte nicht nur uns teilweise lahm, auch den Kindern war anzumerken, dass die Energie für den Sportunterricht fehlte. Auch nachts kühlte es dann häufig nicht mehr ab, sodass ich sehr froh bin einen Ventilator in meinem Zimmer zu haben, der das Schlafen bei den 24 Grad draußen wenigstens halbwegs möglich macht. In der letzten Woche gab es zwei heftige Gewitter, bei denen jeweils auch einiges an Regen runterkam, der für eine gewisse Abkühlung sorgte (Höchsttemperaturen um die 35 Grad). Während eines solchen Gewitters, das meistens um die Mittagszeit kommt, liegt die ganze Stadt still, weil alle Leute in den Gebäuden ausharren bis der Regen vorbei ist. Auf den Teerstraßen sammelt sich dann das Wasser in tiefen Pfützen, abschüssige Staubstraßen verwandeln sich in Schlammflüsse. Sobald der Regen aufgehört hat geht das Leben weiter, als wäre nichts gewesen und alle Kinder freuen sich, weil es abgekühlt hat. Solche Regenschauer wird es in Zukunft häufiger geben, da die Regenzeit jetzt anfängt.

 

Die Baustelle am Zaun unseres Hauses zieht sich ziemlich in die Länge, aber immerhin ist das Tor jetzt zu und somit das Haus gesichert. Allerdings kann man das Tor noch nicht aufschieben, sondern muss durch ein Törchen eintreten. Die Arbeiten am Tor wurden zweimal durch einen kaputten Außenwasserhahn (aus dem Wasser ohne Ende floss, ohne dass man ihn zudrehen konnte) und ein Wasserrohrbruch auf unserem Grundstück unterbrochen. Zum Glück ist Francis (derjenige, der das Tor und den Zaun baut) ein Allroundhandwerker, der auch diese Probleme schnell lösen konnte und wohl auch nächste Woche unser Dach ausbessert, das bei Regenschauern ein wenig leckt.

 

Nun aber zu dem, was die letzten Wochen eigentlich wichtig für uns war: Natürlich der Sport - und zwar in allen Dimensionen. Wir unterrichten/coachen an den Schulen, treiben selber Sport im Fitnessstudio und auf unserem zweiten Zuhause, dem Bharat sports ground. Dort findet dreimal die Woche Rugby Training mit den 'Livingstone Rhinos' statt - und wenn wir Zeit haben, wird dort auch jeden Tag ab 17 Uhr Fußball gespielt. Die dritte Dimension des Sports ist für uns das Gucken von Sportevents - entweder live auf dem Sportplatz, auf dem wir meist Fußballspiele von einheimischen Freunden angucken, oder abends Championsleage oder Länderspiele im Zambezi-Cafe, dessen Besitzer wir sehr gut vom Fußball auf dem Bharat kennen.
Die erste Dimension, das Coachen, steht natürlich im Vordergrund und läuft auch ziemlich gut. An der Nekacheya School habe ich ein 'Tag-Rugby'-Team aufgebaut, mit dem ich einmal die Woche trainiere. Wir haben schon an drei Turnieren teilgenommen, sind aber jeweils im Halbfinale gescheitert, meistens gegen das Team der Linda South Primary School, das von meinen Mitbewohnern Tom und Luise geführt wird. Da diese Schule in einem armen Compound liegt, sind die Sechstklässler gerne mal zwei Jahre älter und dementsprechend auch körperlich eindeutig überlegen. Die 'Tag-Rugby'-Saison in diesem Term wurde am Donnerstag durch ein großes Turnier des 'Tag Rugby Trust' abgeschlossen. Der 'Tag Rugby Trust' ist eine NGO aus Australien, die weltweit in über dreißig Ländern das Coaching von Tag Rugby finanziell und materiell unterstützt. Einige Freiwillige dieser NGO waren in der letzten Novemberwoche in Livingstone und haben geguckt wie alles läuft. Hauptsächlich haben sie aber an vielen Schulen (unter anderem an der Nekacheya und an der Linda South von Tom und Luise) mit Klasse vier und fünf drei Tage lang Trainingssessions im Tag Rugby gemacht und somit unsere Arbeit der letzten Wochen weitergeführt. Als Abschluss dieser Woche gab es dann am Donnerstag ein großes Turnier am Bharat an dem 16 Mannschaften teilgenommen haben. An diesem Tag hat mal wieder die Linda South dominiert und dementsprechend den Pokal mit nach Hause genommen.
Anders als der Name dieser NGO sagt, ist das eigentliche Ziel, Kinder weltweit an das richtige Rugby – also das mit 'contact' – heranzuführen. Dementsprechend gab es auch für uns Erwachsene jeden Abend eine Trainingseinheit mit den Freiwilligen aus Australien, die uns auf ein Spiel am Donnerstag vorbereiten sollten. Das Spiel war gegen die 'Linda Lions' aus Lusaka angesetzt, die ähnlich wie wir (die 'Livingstone Rhinos') noch ein „Developing Team“ sind. Es war mein erstes richtiges Spiel mit contact (im Training ist es meistens nur mit touch ohne tacklen) und dementsprechend war ich davor durchaus aufgeregt. Fazit zu dem Spiel: eindeutiger Sieg, keine Verletzung und durchgängig Adrenalin, obwohl man als Flügelspieler echt wenig Ballkontakte, aber auch weniger Körperkontakt zu Gegenspielern hat, was eher gut ist. Rugby ist definitiv ein geiler Sport, in dem Teamgeist und das Auftreten als eine Einheit eine große Rolle spielt. Wenn man auch die richtige Einstellung zu diesem Sport und der körperlichen Härte hat, was sich bei mir in den letzten Wochen gut entwickelt hat, macht es richtig Spaß. Ich bin also gewappnet für kommende Spiele. Paula hat leider diese ganze actionreiche Woche verpasst, da sie die erste - und hoffentlich auch die letzte! - aus unserer Gruppe ist, die Malaria bekam. Sie hat zum Glück die Symptome schnell erkannt und die richtige Medikation bekommen, sodass sie nach zwei/drei Tagen wieder fit war. Zwar gegen ihren Willen, aber auf Anweisung des Arztes und der Schulleiterin, blieb sie noch bis zum Ende der Woche Zuhause, um diese Woche wieder voll durchstarten zu können. 

 

Die letzte Woche war also von morgens bis abends voll mit Rugby. Davor die Woche war auch durchgehend Programm, da Ingo (Chef der 'weltwärts'-Abteilung des ASC Göttingen) uns besucht hat. Er wollte gerne einen Einblick in alle Projekte bekommen, Livingstone genauer kennenlernen, unser super gepflegtes Haus begutachten und generell möglichst viel Zeit mit uns verbringen, um sich ein gutes Bild von unserem Leben hier zu machen. Genau aus diesen Gründen war von Montag bis Freitag von acht bis zehn Uhr abends Programm. Und da unser Kraftport nicht ausfallen durfte, an einigen Tagen von sechs bis zehn Uhr… Dieser zeit- und kraftraubende Einsatz wurde allerdings auch belohnt durch einen Sundowner direkt an den Victoriafällen in der Royal Livingstone Lodge (teuerste und luxuriöseste Lodge der Gegend, aber für einen Sundowner gut geeignet), einem leckeren Abendessen beim Inder und natürlich auch - und das war das Wichtigste - durch sehr interessante Gespräche mit Ingo über uns, darüber nach welchen Kriterien wir ausgewählt und zusammengestellt wurden, und wie er unsere Arbeit im Projekt sieht. Insgesamt haben wir sehr viel Lob erfahren können und außerdem haben wir die Zusage für einen neuen Esstisch, ein neues Sofa und ein Ofen (für die Küche, nicht zum Heizen ;)) bekommen. Das hat uns sehr gefreut und der Herd war seitdem schon sehr häufig in Benutzung.

 

Ausblick für die nächsten Wochen? Generell eher schwierig zu machen, da echt viel sehr spontan entschieden und geplant wird. Aber sicher zu sagen ist, dass ab dem 7. Dezember Schulferien sind und wir wohl erstmal einige Tage Pause machen müssen; der Spruch „Schlafen kann man in Deutschland wieder“ wurde in den letzten Wochen doch ein wenig zu häufig in die Tat umgesetzt!
Aber Tom und ich planen ein Trainingslager für Schüler aller Schulen auf dem Bharat anzubieten und vielleicht auch einige Freundschaftsspiele durchzuführen. Das sollte hoffentlich klappen.