07. Blogpost - Rugby, Rugby und nochmal Rugby


 Livingstone, der 03.12.2018

 

Nach einer ziemlich langen Zeit melde ich mich mal wieder aus Livingstone und es gibt sehr viel zu berichten! Ein Thema, mit dem man hier eigentlich jeden Smalltalk anfängt ist, das Wetter. Darum mache ich das einfach auch mal: In den ersten Novemberwochen wurde es unglaublich heiß (laut Wetterbericht bis zu 42 °C und gefühlt in der Sonne um einiges höher) und trocken. Diese Hitze legte nicht nur uns teilweise lahm, auch den Kindern war anzumerken, dass die Energie für den Sportunterricht fehlte. Auch nachts kühlte es dann häufig nicht mehr ab, sodass ich sehr froh bin einen Ventilator in meinem Zimmer zu haben, der das Schlafen bei den 24 Grad draußen wenigstens halbwegs möglich macht. In der letzten Woche gab es zwei heftige Gewitter, bei denen jeweils auch einiges an Regen runterkam, der für eine gewisse Abkühlung sorgte (Höchsttemperaturen um die 35 Grad). Während eines solchen Gewitters, das meistens um die Mittagszeit kommt, liegt die ganze Stadt still, weil alle Leute in den Gebäuden ausharren bis der Regen vorbei ist. Auf den Teerstraßen sammelt sich dann das Wasser in tiefen Pfützen, abschüssige Staubstraßen verwandeln sich in Schlammflüsse. Sobald der Regen aufgehört hat geht das Leben weiter, als wäre nichts gewesen und alle Kinder freuen sich, weil es abgekühlt hat. Solche Regenschauer wird es in Zukunft häufiger geben, da die Regenzeit jetzt anfängt.

 

Die Baustelle am Zaun unseres Hauses zieht sich ziemlich in die Länge, aber immerhin ist das Tor jetzt zu und somit das Haus gesichert. Allerdings kann man das Tor noch nicht aufschieben, sondern muss durch ein Törchen eintreten. Die Arbeiten am Tor wurden zweimal durch einen kaputten Außenwasserhahn (aus dem Wasser ohne Ende floss, ohne dass man ihn zudrehen konnte) und ein Wasserrohrbruch auf unserem Grundstück unterbrochen. Zum Glück ist Francis (derjenige, der das Tor und den Zaun baut) ein Allroundhandwerker, der auch diese Probleme schnell lösen konnte und wohl auch nächste Woche unser Dach ausbessert, das bei Regenschauern ein wenig leckt.

 

Nun aber zu dem, was die letzten Wochen eigentlich wichtig für uns war: Natürlich der Sport - und zwar in allen Dimensionen. Wir unterrichten/coachen an den Schulen, treiben selber Sport im Fitnessstudio und auf unserem zweiten Zuhause, dem Bharat sports ground. Dort findet dreimal die Woche Rugby Training mit den 'Livingstone Rhinos' statt - und wenn wir Zeit haben, wird dort auch jeden Tag ab 17 Uhr Fußball gespielt. Die dritte Dimension des Sports ist für uns das Gucken von Sportevents - entweder live auf dem Sportplatz, auf dem wir meist Fußballspiele von einheimischen Freunden angucken, oder abends Championsleage oder Länderspiele im Zambezi-Cafe, dessen Besitzer wir sehr gut vom Fußball auf dem Bharat kennen.
Die erste Dimension, das Coachen, steht natürlich im Vordergrund und läuft auch ziemlich gut. An der Nekacheya School habe ich ein 'Tag-Rugby'-Team aufgebaut, mit dem ich einmal die Woche trainiere. Wir haben schon an drei Turnieren teilgenommen, sind aber jeweils im Halbfinale gescheitert, meistens gegen das Team der Linda South Primary School, das von meinen Mitbewohnern Tom und Luise geführt wird. Da diese Schule in einem armen Compound liegt, sind die Sechstklässler gerne mal zwei Jahre älter und dementsprechend auch körperlich eindeutig überlegen. Die 'Tag-Rugby'-Saison in diesem Term wurde am Donnerstag durch ein großes Turnier des 'Tag Rugby Trust' abgeschlossen. Der 'Tag Rugby Trust' ist eine NGO aus Australien, die weltweit in über dreißig Ländern das Coaching von Tag Rugby finanziell und materiell unterstützt. Einige Freiwillige dieser NGO waren in der letzten Novemberwoche in Livingstone und haben geguckt wie alles läuft. Hauptsächlich haben sie aber an vielen Schulen (unter anderem an der Nekacheya und an der Linda South von Tom und Luise) mit Klasse vier und fünf drei Tage lang Trainingssessions im Tag Rugby gemacht und somit unsere Arbeit der letzten Wochen weitergeführt. Als Abschluss dieser Woche gab es dann am Donnerstag ein großes Turnier am Bharat an dem 16 Mannschaften teilgenommen haben. An diesem Tag hat mal wieder die Linda South dominiert und dementsprechend den Pokal mit nach Hause genommen.
Anders als der Name dieser NGO sagt, ist das eigentliche Ziel, Kinder weltweit an das richtige Rugby – also das mit 'contact' – heranzuführen. Dementsprechend gab es auch für uns Erwachsene jeden Abend eine Trainingseinheit mit den Freiwilligen aus Australien, die uns auf ein Spiel am Donnerstag vorbereiten sollten. Das Spiel war gegen die 'Linda Lions' aus Lusaka angesetzt, die ähnlich wie wir (die 'Livingstone Rhinos') noch ein „Developing Team“ sind. Es war mein erstes richtiges Spiel mit contact (im Training ist es meistens nur mit touch ohne tacklen) und dementsprechend war ich davor durchaus aufgeregt. Fazit zu dem Spiel: eindeutiger Sieg, keine Verletzung und durchgängig Adrenalin, obwohl man als Flügelspieler echt wenig Ballkontakte, aber auch weniger Körperkontakt zu Gegenspielern hat, was eher gut ist. Rugby ist definitiv ein geiler Sport, in dem Teamgeist und das Auftreten als eine Einheit eine große Rolle spielt. Wenn man auch die richtige Einstellung zu diesem Sport und der körperlichen Härte hat, was sich bei mir in den letzten Wochen gut entwickelt hat, macht es richtig Spaß. Ich bin also gewappnet für kommende Spiele. Paula hat leider diese ganze actionreiche Woche verpasst, da sie die erste - und hoffentlich auch die letzte! - aus unserer Gruppe ist, die Malaria bekam. Sie hat zum Glück die Symptome schnell erkannt und die richtige Medikation bekommen, sodass sie nach zwei/drei Tagen wieder fit war. Zwar gegen ihren Willen, aber auf Anweisung des Arztes und der Schulleiterin, blieb sie noch bis zum Ende der Woche Zuhause, um diese Woche wieder voll durchstarten zu können. 

 

Die letzte Woche war also von morgens bis abends voll mit Rugby. Davor die Woche war auch durchgehend Programm, da Ingo (Chef der 'weltwärts'-Abteilung des ASC Göttingen) uns besucht hat. Er wollte gerne einen Einblick in alle Projekte bekommen, Livingstone genauer kennenlernen, unser super gepflegtes Haus begutachten und generell möglichst viel Zeit mit uns verbringen, um sich ein gutes Bild von unserem Leben hier zu machen. Genau aus diesen Gründen war von Montag bis Freitag von acht bis zehn Uhr abends Programm. Und da unser Kraftport nicht ausfallen durfte, an einigen Tagen von sechs bis zehn Uhr… Dieser zeit- und kraftraubende Einsatz wurde allerdings auch belohnt durch einen Sundowner direkt an den Victoriafällen in der Royal Livingstone Lodge (teuerste und luxuriöseste Lodge der Gegend, aber für einen Sundowner gut geeignet), einem leckeren Abendessen beim Inder und natürlich auch - und das war das Wichtigste - durch sehr interessante Gespräche mit Ingo über uns, darüber nach welchen Kriterien wir ausgewählt und zusammengestellt wurden, und wie er unsere Arbeit im Projekt sieht. Insgesamt haben wir sehr viel Lob erfahren können und außerdem haben wir die Zusage für einen neuen Esstisch, ein neues Sofa und ein Ofen (für die Küche, nicht zum Heizen ;)) bekommen. Das hat uns sehr gefreut und der Herd war seitdem schon sehr häufig in Benutzung.

 

Ausblick für die nächsten Wochen? Generell eher schwierig zu machen, da echt viel sehr spontan entschieden und geplant wird. Aber sicher zu sagen ist, dass ab dem 7. Dezember Schulferien sind und wir wohl erstmal einige Tage Pause machen müssen; der Spruch „Schlafen kann man in Deutschland wieder“ wurde in den letzten Wochen doch ein wenig zu häufig in die Tat umgesetzt!
Aber Tom und ich planen ein Trainingslager für Schüler aller Schulen auf dem Bharat anzubieten und vielleicht auch einige Freundschaftsspiele durchzuführen. Das sollte hoffentlich klappen.

 

06. Blogpost – Ausflug zum Lake Kariba


 Livingstone, der 22.10.2018

 

Die letzte Woche war für mich und Paula sehr entspannt, da an der Acacia School Mid-term-break war und somit von uns kein Unterricht an dieser Schule erwartet wurde. Zumindest war die Woche entspannt geplant. Aber an der Nekacheya School mussten wir trotzdem arbeiten und hatten uns vorgenommen, dort noch zwei zusätzliche Trainingseinheiten in Tag Rugby zu geben, um das Team auf das kommende Turnier an der Acacia School vorzubereiten. Außerdem haben wir uns relativ spontan dazu entschieden, am Dienstag mit Tom und Luise zur Linda South Primary School zu fahren, um uns auch deren Projekt mal genauer anschauen zu können. Allein schon der Weg dorthin war ein Erlebnis, denn es geht mit dem Fahrrad quer durch den Compound (Slum), in dem alle Kinder einen grüßen und sich sehr über „Weiße“ freuen. In der Schule selber natürlich das gleiche, aber das kennen wir ja auch von unseren Schulen. An der Linda-Schule gibt es ein Zahnputzprojekt, in dem die Kinder der Vorschule und ersten Klasse alle gemeinsam die Zähne putzen. Eine sehr gute Sache finde ich :)

Der Sportunterricht an der Linda ist komplett anders als an unseren Schulen, da nur wenige Kinder vor der vierten Klasse Englisch können und somit hauptsächlich auf die schon bekannten Spielchen zurückgegriffen wird (Sheep sheep come home, Stuck in the mut, Mäh mäh (der Plumpssack geht rum), Landrover…). Die gesamte Arbeit an dieser Schule ist also eine große Challenge.

 

Am Donnerstag war Prayersday, an dem keine Schule stattfindet, da alle Gläubigen an diesem Tag fasten und gemeinsam beten. Da für Paula und mich der Freitag frei war, haben wir (Charlotte, Paula, Patrick und ich) beschlossen, an den etwa drei Stunden entfernten Kariba Lake zu fahren und dort Clara und Charlotte (Freiwillige von Brot für die Welt) zu besuchen, die in Sinazeze leben. Wir hatten auch die Chance, deren Projekt ein wenig kennenzulernen: Ein Jugendzentrum der Kaluli Developement Foundation (KDF), in dem die beiden eine Art Nachmittagsbetreuung durchführen und auch inhaltliche Einheiten zum Weltkindertag oder ähnliches machen. Zusammen sind wir dann in die Lake View Lodge direkt an den Kariba Stausee, der durch den Sambesi gefüllt wird, und haben dort zwei schöne Tage bei perfektem Wetter und wunderbarer Landschaft verbracht. In dem See ist das Schwimmen aufgrund der Krokodile und Hippos leider verboten, aber es gab einen Pool, an dem man sich sehr gut erfrischen konnte. Die beiden genannten Tiere haben wir leider trotz intensiver Suche nicht zu Gesicht bekommen. Aber als wir auf einer Sandbank ein paar Fußabdrücke von einem Krokodil entdeckten, waren wir schon ganz froh, dass sie uns nicht nachts im Zelt besucht haben!

 

Jetzt geht es wieder weiter mit einer vollen Arbeitswoche und der intensiven Vorbereitung auf das Tag-Rugby-Tournament. Am Mittwoch, den 24. Oktober ist der Unabhängigkeitstag Sambias, der hier groß gefeiert wird. Schon seit einigen Wochen fällt es auf, dass viele öffentliche Gebäude mit den Nationalfarben grün, orange, rot und schwarz geschmückt sind und viele Sambier im Trikot der Nationalmannschaft herumlaufen. Auch Tom und ich haben vor uns heute ein solches Trikot zuzulegen (die gibt es überall und billig zu kaufen). Wir möchten irgendwie ausdrücken, dass wir uns dazu gehörig fühlen.